• Lisa Gräff Fotografie

Aber...!

Wann immer ich mich mit Tierbesitzern aller Art unterhalte, landen wir früher oder später bei diesem kleinen Wörtchen: "Aber!".

An dieser Stelle folgt dann meist eine schier unendlich lange Liste von Dingen, die der Vierbeiner nicht kann. Wenn ich dann argumentiere, das er eines ganz besonders toll kann: Nämlich dein Lieblingsvierbeiner sein und mir das vollkommen reicht, werde ich meistens schief angeschaut. Deshalb möchte ich euch heute eine kleine Geschichte erzählen:


Es war einmal, vor langer Zeit, ein kleines Mädchen und ihr Pony.

Okay nein, nicht vor langer Zeit, sondern vor gut 1,5 Jahren und klein war ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr.

Jedenfalls überzeugte mich eine Kollegin, mich mit meinem Pony Donald vor die Kamera zu trauen. Etwas, das ich bis dahin vermieden hatte.

Wieso?

Wenn du an die typischen Pferdebilder denkst hast du bestimmt das selbe im Kopf wie ich: Ein Mädchen im Walla Walla Kleidchen, neben ihrem freien, völlig aufmerksamen Pony auf der Wiese stehend.

Nun ja, genau das sind wir nicht. :D





Ich besitze weder einen Hänger, noch ein zugtaugliches Auto um an eine tolle Location zu fahren. Dazu ist Doni im Gelände nicht immer ganz so entspannt. Da wird die Bewässerung auf dem Feld schon mal schnell zum Pony fressenden Monster. Weshalb ich ihn auch nie Wendy like am Halsring einfach in die Pampa stellen würde. Auch für mein Fotografenhalfter würde er mich wohl herzlich auslachen und sich verabschieden. Bleibt in unserem Fall eigentlich nur noch die Trense. Mich stört die auf den Bildern nicht, Hauptsache das Pony ist danach noch da.

Und dann...dann gibt es da noch solche Tage. Die, an denen ich mir nicht ganz sicher bin, ob ich wirklich ein Pony gekauft habe, oder nicht doch eher ein komisches graues Tier, mit viel zu langen Ohren.

Da sind sie nun also: Meine "Aber!"

Ich habe es gerade tatsächlich geschafft eine ganze Seite damit voll zu schreiben und ich bin mir fast sicher, das mir zum damaligen Zeitpunkt noch deutlich mehr eingefallen ist.

Aber Hey, ich kann dir ja nicht immer erzählen das, das alles funktioniert und dann selbst kneifen.

Also los:


Am Shootingtag selbst war ich super nervös.

Ja richtig, auch wir Fotografen sind vor da Kamera ganz normale Menschen, mit den selben Sorgen und Ängsten, die auch du hast. Die Vorstellung das ich da völlig Abgeklärt dran gehe, ist zumindest in meinem Fall völliger Quatsch. :D

Also zum Pony gefahren, geputzt und auf die Fotografin gewartet. Der Plan bestand daraus, auf der Koppel ein paar Kuschelbilder zu machen.

Kennst du das, wenn du mir echt miesem Gefühl im Magen an etwas ran gehst? So ging es mir an diesem Tag. Auf der Koppel angekommen war auch recht schnell klar, das Doni auf diese Aktion wirklich so überhaupt keine Lust hatte.

Da wurde rum gezappelt, gescharrt und die Ohren hingen sonst wo.

Nach gequältem Pony aussehen kann er in Perfektion!

Ich hatte mir zu diesem Zeitpunkt schon mehr als nur ein Loch in den Boden gewünscht und die Fotografin verzweifelte sichtlich an uns. Die Tierstimmen-App brachte das Fass letztlich zum überlaufen. Doni fand das Teil so gar nicht lustig und verlor auch den letzten funken Geduld.

Damit war das Shooting beendet und ich fuhr mit einem "den kann man wirklich nicht fotografieren" meiner Kollegin heim.


Puuuh! Ich kann dir sagen, ich war echt geknickt und frustriert!

Das Thema "Fotos von uns" hängte ich damit erstmal wieder an den Nagel.


Warum ich dir das jetzt erzähle?

Weil ich dir Mut machen möchte. Du bist nicht die einzige mit einer schier endlosen Liste an "Abers" und auch nicht die einzige, die einen Chaoten beherbergt. Nicht nur dein Tier schaut konsequent weg, wenn es eigentlich freundlich mit dir in die Kamera gucken sollte.

Ich denke so geht es super vielen von uns, auch wenn wir es nicht immer gerne zugeben.

Aber sollten wir deshalb auf Erinnerungen verzichten? Nein!

Ich habe mich schlicht geweigert einzusehen, das man mein Pony nicht fotografieren kann. Wenn schon kein anderer, dann mach ich das eben selbst.

Was den Dickkopf angeht sind Donald und ich uns wohl nicht unähnlich. :D


Also habe ich mir eine Freundin und meine Kamera geschnappt und habe mir das Pony ins Feld stellen lassen. Kann doch nicht sein das, das nicht geht!

Und siehe da: Mit ganz viel Ruhe, Geduld und noch viel mehr Keksen, lässt sich auch mein Pony zu ein paar schönen Bildern überreden.

Inzwischen habe ich mich auch selbst noch das ein oder andere mal vor die Kamera getraut und ich liebe die dabei entstandenen Bilder. Warum? Weil das wir sind! Mal chaotisch, mal verrückt und dann wieder völlig souverän.

Wir sind nicht die, die im pinken Kleid völlig frei über die Wiese galoppieren, aber das ist doch total egal! Ich möchte echte Fotos, die zeigen er wir sind! Und genau das möchte ich auch für dich festhalten.

Also glaub mir wenn ich dir sage, das es mir völlig egal ist, welche Macken ihr im Gepäck habt.

Wir bekommen das hin!

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